2012 Die Schöpfung

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Frankfurt 09.10.2012

Die Schöpfung - Oratorium für Soli, Chor und Orchester (Joseph Haydn)




09. Oktober 2012
Schönes Chaos
Darmstädter Echo

ORATORIUM Eine kraftvolle Aufführung von Haydns "Schöpfung" in der Pauluskirche

Von Silvia Adler

DARMSTADT. Mitreißende Vitalität und plastische Erzählkraft entfaltete Joseph Haydns Oratorium "Die Schöpfung", das jetzt vom Collegium Musicum Vocale Darmstadt, dem Vocal Ensemble Frankfurt und der Sinfonietta Darmstadt in der Pauluskirche zur Aufführung gebracht wurde.

Mit dichtem Klang schuf das von Monika Gößwein-Wobbe geleitete Orchester in der Ouvertüre - die das Urchaos vor der Erschaffung der Welt darstellt - eine geheimnisvoll brütende Atmosphäre. Plastisch spiegelten der glutvolle Streicherklang und die farbenreichen Holzbläser, die in geschmeidigen Klanglinien aus dem Chaos hervorwuchsen, die geballte Schöpferkraft.

Nicht minder intensiv gelang der erste Choreinsatz, der den Sturz der Höllengeister in den Abgrund ewiger Nacht dramatisch in Szene setzte. Fokussiert und intonationssicher verschmolzen die Stimmen zu einem homogenen Ganzen. Mit feiner dynamischer Dosierung bewies der Chor sowohl im Wechselgesang mit den Solisten als auch in den Chorsätzen „Singt dem Herren alle Stimmen“ und „Vollendet ist das große Werk“ enorme Ausdrucksstärke.

Die Gestaltungskraft des Orchesters kam vor allem in dem effektvollen ersten Sonnenaufgang der Schöpfung sowie in den kontrastreichen Accompagnato-Rezitativen voll zur Geltung. Die lautmalerische Qualität der Musik inspirierte das Orchester zu immer neuen Klangfarben.

Leider konnten die Solisten mit der Ausdrucksmacht von Chor und Orchester nur bedingt mithalten. Wenig glücklich besetzt war der Bassist Hans-Georg Dechange, dessen kultivierte Stimme für den tragenden Part des Raphael zu wenig dramatisches Potenzial und Volumen besaß.

Erfreulich höhensicher und flexibel in den Koloraturen zeigte sich die kurzfristig eingesprungene Sopranistin Gabriele Hierdeis; dennoch hätte man sich von ihr besonders in den lyrischen Schlussduetten mehr natürlichen Schmelz und warme Klangfülle gewünscht. Vokale Strahlkraft zeigte der Tenor Markus Durst, der den Part des Uriel mit markanter Diktion formte.



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